Wie alles begann...

 „Um die Jahrhundertwende kamen die größeren Weingutsbetriebe dahin überein, dem Versteigerungswein die Bezeichnung „Naturwein“ zuzulegen, um ihre besondere Stellung unter den Weinen zu betonen. Dieses Übereinkommen bedeutete den ersten Schritt zum organisierten Zusammenschluss der Naturweinerzeuger, die gewillt und imstande waren, Jahr für Jahr naturreine Qualitätsweine einzulegen und im naturreinen Zustand zu versteigern oder sonst zu veräußern,“ schrieb Dr. Otto Weingarth, der Geschäftsführer des Vereins der Naturwein-Versteigerer der Rheinpfalz, in „Ein Jahrhundert Weinversteigerungen“ 1940.

1908 | Gemeinsames Vorgehen bei Versteigerungen

Am 8. Oktober 1908 wurde im Saalbau in Neustadt der Verein der Naturwein-Versteigerer Rheinpfalz gegründet. Die Mitglieder verpflichten sich zur "Förderung des Weinbaues, Regelung der Weinverkaufsbedingungen, insbesondere der Weinversteigerungen". Mitglieder konnten nur rheinpfälzische Weingutsbesitzer und Winzervereine werden, "die ausschließlich selbstgekelterte Naturweine verkauften".

Gründungsmitglieder waren neben den Initiatoren Schellhorn-Wallbillich und Dr. Bassermann-Jordan u.a. die Vorfahren der heutigen Mitglieder Acham-Magin, Dr. Bürklin-Wolf, Reichsrat von Buhl, von Winning (Dr. Deinhard), Fitz-Ritter, Karl Schaefer und Georg Siben Erben.

Nach den Weingesetzen von 1901 und 1909 durfte als "Naturwein" nur "das durch alkoholische Gärung aus dem Saft der frischen Weintraube hergestellte Getränk" bezeichnet werden.

1910 | Gründung des "Verbandes Deutscher Naturwein-Versteigerer"

Prinzregent Luitpold verlieh dem Verein am 20. März 1910 die Rechtsfähigkeit nach § 22 BGB.  Im gleichen Jahr wurde das Vereinslogo patentamtlich eingetragen.

Am 26. November 1910 schlossen sich die rheinpfälzischen Naturwein-Versteigerer mit den Weinbaugebieten Mosel, Saar und Ruwer, Nahe, Rheingau, Hessen und Baden zum überregionalen "Verband Deutscher Naturwein-Versteigerer" zusammen. Der Verband war 1910 bei der Weltausstellung in Brüssel mit einer kollektiven Präsentation vertreten und erhielt dafür einen "Grand Prix".

Krisenjahre und Absatzsorgen

Nach dem Ersten Weltkrieg war die wirtschaftliche Situation in den Weinbaugebieten zwischen 1918 und 1930 durch die französische Besetzung geprägt. Der Handel unterlagen hohen Einschränkungen. Durch die Zolllinie am Rhein fiel beispielsweise das rechtsrheinische Absatzgebiet weg.

Hinzu kam eine Missernte in 1932. Der Jahrgang erschien kaum in einer Versteigerungsliste.

Das erste Vereins-Wappen

Dr. Ludwig Bassermann-Jordan kreierte das erste Wappen des Vereins der Naturweinversteigerer. In einem kreisförmigen Schild befand sich aus einem Untergrund von Trauben und Rebenblättern oben das Wappenschild des Fürstbistums Speyer (ein silbernes Kreuz in blauem Feld), heraldisch rechts das Wappenschild der Kurpfalz (der goldene, rotbewehrte Löwe im schwarzen Feld) und links das Wappenschild von Leiningen (drei silberne Adler im blauen Feld).

Das Wappen durfte nur von Vereinsmitgliedern getragen werden.

Das erste Wappen setzte sich aus den Wappen der drei ehemals wichtigsten Territorien des pfälzischen Weinbaus zusammen.

1926 | Geburt des Traubenadlers

Im Jahre 1926 legte der Verband deutscher Naturweinversteigerer e.V. ein gesetzlich geschütztes Logo zu Form eines stilisierten Reichsadlers mit Traube und der Umschrift V.D.N.V.

Zu dieser Zeit gehörten 52 Gutsbesitzer sowie 21 Winzergenossenschaften und Winzervereine aus dem Gebiet zwischen Freinsheim und St. Martin dem Verein an.

1932 | Weinbau kämpft ums Überleben

Nach den Rekordernten 1934 und 1935 kam es zu einem dramatischen Preisverfall. Viele Winzerbetriebe kamen in finanzielle Nöten. In einem Zeitungsbericht hieß es: "Die erzielten Preise waren, abgesehen von einigen Spitzenweinen oder bei Weinen, bei denen Name den Grund zu einer höheren Bewertung bildete, so niedrig, dass bei weitem die Erzeugungskosten aus dem Erlös gedeckt werden können. Wenn trotzdem zu solchen Preisen der Zuschlag erteilt wurde, so zeigt das, dass auch bei den größeren Weingüter der Bedarf an baren Gelde kaum geringer ist, als beim Kleinwinzer. Größer als bei allen früheren Versteigerungen war die Zahl der Fulder, die den Zuschlag nicht erhielt."

1935 | Deutsche Weinstraße sorgt für Aufschwung

Mit Gründung der Deutschen Weinstraße schaffte es Gauleiter Josef Bürckel innerhalb kurzer Zeit den Absatz wieder zu fördern. Als Bürckel am 20. Oktober 1935 seine Eröffnungsfahrt von Schweigen nach Bockenheim durchführte, jubelten ihm viele Winzer zu, darunter sicher auch so manches Mitglied des Vereins der Naturweinversteigerer. 

Das Logo der Deutschen Weinstraße: Schwarze Traube auf gelbem Grund

1948 | Neuaufbau des Vereins

Während des Zweiten Weltkrieges ruhte der Verein. Nachdem die neue Landesregierung am 15. September 1948 die Satzung des Vereins der Naturwein-Versteigerer der Rheinpfalz genehmigte, begann der Neuaufbau.

Die damals 67 Mitglieder verpflichteten sich "die Belange der Erzeuger der Naturweine des Weinanbaugebietes Pfalz zu wahren und zu fördern". Dies sollte insbesondere durch folgende Maßnahmen erreicht werden: Regelung der Versteigerungstermine und -bedingungen, gemeinsame Werbung, Bestickung von Ausstellungen im In- und Ausland, Überwachung der Weine der Mitglieder durch Beauftragte, sonstige, den Weinabsatz seiner Mitglieder berührenden Fragen, Austausch von Erfahrungen im Weinbau, Weinbehandlung und Weinverwertung sowie Beratung der Mitglieder.

1955 | Winzergenossenschaften verlassen den Verein

Die Satzungsanpassung „Mitglieder des Verbandes können nur solche Vereine sein, deren Mitglieder ausschließlich naturreine Weine eigenen Wachstums naturrein einlegen und in naturreinem Zustand versteigern oder sonst veräußern“ bedeutet das Ende der Mitgliedschaft von Winzergenossenschaften.

1958 | Pfalz an der Spitze im Verband Deutscher Naturwein-Versteigerer

"Sowohl nach Mitgliederzahl, wie auch nach Umfang des Besitzes steht der pfälzische Verein an der Spitze der im Verband Deutscher Naturwein-Versteigerer zusammengeschlossenen Vereine", schrieb Dr. Albert Bürklin damals. 1958 zählte der Verein 54 Mitglieder, die eine Rebfläche von 1889 ha besaßen.

Zum 50-jährigem Jubiläum fand am 17. und 18. März 1959 in der Winzergenossenschaft Deidesheim eine große Versteigerung statt. "Sämtliche Wein", so hieß es, "sind naturrein, eigenes Wachstum der Versteigerer und entstammen aus den besten Lagen der Mittelhaardt".

1971 | Das Ende des Naturweins

Mit dem neuen Weingesetz (1971) wurde die Angabe „naturrein“ verboten. Die Weinqualität sollte fortan allein an den Öchslegraden festgemacht werden. 

Mit der Abschaffung des „Naturweines“ wurde auch die Auflösung des Verbandes diskutiert. Auf der dafür einberufenen Bundesmitgliederversammlung stimmen die Mitglieder dafür die Überlebenschancen des Verbandes zu sondieren.

1972 | Qualitätsweine mit Prädikat

1972 diskutierte der "Verbandes Deutscher Naturweinversteigerer“ einen neuen Namen. „Die Mosel und die Pfalz verteidigten das Wort ‚Prädikatswein’, weil es mehr der Tradition der alten Naturweinversteigerer entsprechen würde“, heißt es im Protokoll der Mitgliederversammlung vom 29. September 1972. Nach langen Debatten einigte man sich schließlich auf „Verband Deutscher Prädikatsweingüter e.V.“ Nachdem die Genossenschaften, Pfarrweingüter und die Landeslehranstalt ausgeschieden waren, gab sich der Pfälzer Verein 1975 schließlich den Namen „Verein der Prädikatsweingüter der Rheinpfalz e. V.“ (VDP Rheinpfalz). Ihm gehörten damals 20 Weingüter an.

1991 | Erntemengenbegrenzung, Mostgewichtsanhebung und Vermarktungsregeln

Eine neue Ära beginnt. Die VDP-Weingüter führen strenge Erzeugungsregeln ein (Erntemengenbegrenzung, Mostgewichtsanhebung und Vermarktungsregeln: Pflicht zur Führung des Verbandszeichens auf der Kapsel). Deren Einhaltung wird durch eine regelmäßige Betriebskontrolle überprüft.

1994 | Selbstbeschränkung

Die VDP-Weingüter versuchen die Fehlentwicklung des deutschen Weingesetzes durch weitere Selbstbeschränkungen zu korrigieren. So wird nach einer heftigen Diskussion beschlossen, bei der Bezeichnung der Weine auf die Verwendung von Großlagen zu verzichten. Die Hervorhebung der selektiven Handlese ist die Antwort auf den zunehmenden Einsatz von Vollerntern. 

Der VDP beschließt eine eigenständige Klassifikation der deutschen Weinbergslagen zu erarbeiten.

2002 | Ein Klassifikationsstatut

Der VDP beschließt eine verbandsinternes Klassifikationssystem. Es ist eine Mischung aus den besten Elementen der romanischen und der deutschen Weinbautradition. Die Kapsel mit dem Traubenadler steht für eine Klassifikation der Weingüter nach dem Vorbild von Bordeaux.

Auf dieser Basis einer verbandsinternen Weinbergsklassifikation unterscheiden die VDP-Weingüter künftig zwischen Gutsweinen, Ortsweinen, VDP.Erste Lagen und VDP.Grosse Lagen.