Vom Naturwein zum Prädikatswein

Rückblick in die Gründungszeit des VDP Pfalz

Versteigerung von Naturweinen

Anfang des 19. Jahrhunderts konkurrierten die großen Weine aus Deutschland mit den begehrtesten Kreszenzen Frankreichs. Der Weinhandel zahlte Höchstpreise und die Versteigerungen der "naturreinen Edelgewächse" aus der Rheinpfalz waren Ereignisse von internationalen Rang. Bereits 1904 hatten sich die angesehensten Pfälzer Weingutsbesitzer darauf geeinigt, in ihren Versteigerungslisten dem Begriff "Naturwein" - sprich dem unverfälschten Getränk au der alkoholischen Gärung frischen Trauben - zum Durchbruch zu verhelfen. Darunter befanden sich verdiente Persönlichkeiten wie der Deidesheimer Bürgermeister Dr. Ludwig Bassermnn-Jordan, Dr. Albrecht Bürklin oder Franz Eberhard Buhl.

Gemeinsam hatten sie mit ihrer wirtschaftlichen Macht und ihrem politischen Einfluss der Weinverfälschung den Kampf angesagt. Zugleich ging es ihnen um eine Regelung der Weinverkaufsbestimmungen und eine effektive Koordination der Versteigerungstermine. Außerdem wurde eine gemeinschaftliche Reklame für deutschen Wein, vorzugsweise im Ausland, ins Auge gefasst.

Und so kam es am 8. Oktober 1908 im "Saalbau" in Neustadt a.d.W. dazu dass der "Verein der Naturwein-Versteigerer der Rheinpfalz" gegründet wurde. Mitglieder konnten laut Satzung nur rheinpfälzische Weingutsbesitzer und Winzervereine werden, die ausschließlich selbst gekelterte Naturweine verkauften. Gründungsmitglieder waren neben Dr. Bassermann-Jordan und Dr. Albert Bürklin die Vorfahren der heutigen VDP-Mitglieder Reichsrat von Buhl, Georg Siben Erben, Karl Schäfer, Acham-Magin, Fitz-Ritter und Dr. Deinhard (jetzt: von Winning).

Der Zusammenschluss

Künftig fanden regelmäßig von Frühjahr bis in den Frühsommer Weinversteigerungen statt, deren Termine der Verein bestimmte und bewarb. Am 20. März 1910 verlieh Prinzregent Luitpold dem Verein die Rechtsfähigkeit. Kurz darauf wurde das Vereinslogo patentamtlich eingetragen. Am 26. November 1910 hatten sich die Pfälzer Naturweinversteigerer mit den Vereinen der weiteren Weinanbaugebiete Mosel, Saar und Ruwer, Nahe, Rheingau, Hessen und Baden zum "Verband Deutscher Naturwein-Versteigerer" unter Vorsitz des Trierer Oberbürgermeisters Albert von Bruchhausen zusammengeschlossen. Der Verein war bei der Weltausstellung in Brüssel 1910 mit einer kollektiven Präsentation vertreten und erhielt dafür einen "Grand Prix". Der Grundstein für eine mittlerweile über 100jährige Erfolgsgeschichte war gelegt.

 


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